Gedenkveranstaltung zur Reichspogromnacht am 09.11.2015 in Leer

Die Schülerinnen und Schüler aus der Seminargruppe Israel besuchten am Abend des 9.November 2015 eine der Gedenkveranstaltungen in Papenburg, Weener und Leer.  Foto: F. Wieligmann, mit freundlicher Genehmigung.

Nach einem gemeinsamen Gedenkgottesdienst verschiedener Kirchen in Leer und einer Ansprache von Bürgermeisterin Beatrix Kuhl verlesen Schülerinnen und Schüler des TGG die Namen der jüdischen Bürger aus Leer, die während des Holocaust ihr Leben verloren. „Dieser Teil der Gedenkfeier hat mich besonders berührt, da mir zum ersten Mal wirklich bewusst wurde, wie viele Juden sogar aus einer kleinen Stadt wie Leer damals ihr Leben verloren."

Thorben Gilleßen (Schüler der Oberstufe Jg. 12)

Ausführlicher Bericht:

Am 09.11.2015 wurde in Leer der Opfern der Reichspogromnacht vor 77 Jahren gedacht. Die Gedenkveranstaltung begann um 19:00 Uhr mit einem Gottesdienst in der Baptistengemeinde, der von mehreren Kirchengemeinden aus Leer gemeinsam gestaltet wurde und sehr gut besucht war. Meiner Meinung nach war die Gestaltung des Gottesdienstes gut gelungen und machte den Besuchern durch verschiedene Wort- und Musikbeiträge die Lage der Juden in jener Nacht sehr deutlich. Großen Anteil daran hatten unter anderem ein Chor, sowie drei junge Männer, die auf Saxophonen den Gottesdienst mit passenden Stücken begleiteten. Anschließend ging es in einem Schweigemarsch zum Mahnmal für die ermordeten Juden in Leer. Nachdem Bürgermeisterin Beatrix Kuhl ihre Rede gehalten hatte, wurden hier alle Namen der ermordeten Leeraner Juden, nach Zeitpunkt (Jahr) und Ort der Ermordung aufgelistet, von Schülern des TGG vorgelesen. Dieser Teil der Gedenkfeier hat mich besonders berührt, da mir zum ersten Mal wirklich bewusst wurde, wie viele Juden sogar in einer kleinen Stadt wie Leer damals ihr Leben verloren. Die ohnehin schon ruhige, bedrückende Stimmung wurde noch verstärkt, indem die, neben dem Mahnmal liegende Kreuzung zuvor für den Straßenverkehr gesperrt worden war. Somit war es auch um die Veranstaltung herum sehr ruhig und man hörte neben den Namen der Opfer nur das manchmal recht stürmische Rauschen des Windes. Eine Besonderheit für mich war zudem, dass mit Albrecht Weinberg ein Jude, der die Reichspogromnacht 1938 in Leer miterleben musste,an der Gedenkveranstaltung teilnahm. Er war in den Folgejahren in mehreren KZ interniert  und hat viele seiner Angehörigen, so auch seine Eltern während des Holocaust verloren.Wir hatten Herrn Weinberg bereits Ende September kennen gelernt, als wir mit unserer israelischen Austauschgruppe zu einem offiziellen Empfang im Leeraner Rathaus eingeladen waren. Er berichtete uns damals aus seinem Leben und hat uns auch in die ehemalige jüdische Schule begleitet, die er zwischen 1936 und 1938 besucht hat.