FCSO - unser Weg in die Schmetterlingspaedagogik

Unser Weg in die Schmetterlingspädagogik

Was haben die Wörter „Toilettenverschmutzung“ und „Schmetterlingspädagogik“ gemeinsam? Nun, beide Wörter fielen im Schuljahr 2025/26 an der FCSO recht häufig. Und während das eine Wort ein Symptom einer Art Seuche beschreibt, birgt das andere Hoffnung.

Doch der Reihe nach.

So geht es nicht weiter“, seufzen die einen, ob neuerlicher Genehmigungsarbeiten. „So will ich nicht die nächsten 30 Jahre arbeiten“, sagen die anderen, die nach 6 Stunden Unterricht ausgelaugt ins Lehrerzimmer zurückkehren. „KI überholt uns von rechts und wir haben kein Konzept“, mahnen die Informatiker. „Diese ständigen Toilettenverschmutzungen machen mich fertig“, klagt der Schulleiter (und der Hausmeister nicht minder).

Auch die Schülerinnen und Schüler klagen zunehmend. Über Druck, der auf ihnen lastet. Über Sinnlosigkeit der Lerninhalte, wo doch YouTube und Chatti die Lösung für alles biete. Das Erlernen wichtiger Skills dagegen bleibe auf der Strecke.

Ein Klassenraum, nach dem Churermodell eingerichtet

Zwischenstation Churermodell

Kurzum: Die Zeit ist reif für Veränderung. Und so machte sich Anfang 2025 eine Gruppe Lehrerinnen und Lehrer auf den Weg der Schulentwicklung. Sie bereiteten sich darauf vor, einige Lerngruppen aus den Jahrgängen 5-10 ab dem Sommer 25 nach dem „Churermodell“ zu unterrichten. Ein Konzept aus der Schweiz, dafür gedacht, ein offeneres Lernen zu ermöglichen. Eigentlich ist dieses Konzept angesiedelt in der Grundschule, doch einige wagten den Versuch, es auch in der Sekundarstufe auszuprobieren.

Kurz darauf, im Februar 2025, bahnte sich eine kleine, winzige Raupe ihren Weg in die FCSO.

Schau dir dieses Reel mal an! Churermodell war gestern!“, mit diesen Worten verlinkte eine Lehrkraft ein Reel von Stefan Ruppaner (Schulleiter a.D. der Alemannenschule Wutöschingen), unserem Schulleiter Christian Hunsmann. Die skeptische Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „Zu teuer. Churermodell ist besser.“

Kurz darauf erschien ein Buch. Von eben diesem Stefan Ruppaner. „Das könnte Schule machen“, lautet der Titel. Und gleich auf den ersten Seiten die provokante These: „Unterricht ist aller Übel Anfang!“ Wie bitte? Von so einem Dahergelaufenen sollen wir FCSO-ler uns jetzt sagen lassen, wie Schule zu funktionieren hat? Während die einen sich noch ärgerten, begannen andere zu lesen. Und verstanden, was es mit dieser polarisierenden Aussage auf sich hatte. Nickten heftig an vielen Stellen, schmunzelten oder kämpften mit den Tränen an anderen.

Von der Raupe zum Schmetterling

Denn Stefan Ruppaner legt nicht nur den Finger in die Wunde. Er zeigt auch Lösungen auf, wie Schule im 21. Jahrhundert funktionieren und junge Menschen auf die Herausforderungen unserer Zeit vorbereiten kann. Dabei stellt er immer wieder eine Sache in den Mittelpunkt: Wenn wir die Kinder im Blick haben, wenn wir die Schülerinnen und Schüler lieb haben und mit dem Herzen dabei sind, wenn wir erreichen, dass Jugendliche gerne zur Schule gehen – dann können wir nicht verhindern, dass sie etwas lernen.

Schaubild zur Schmetterlingspädagogik

Mit seiner Schule hat Stefan Ruppaner gezeigt, wie das geht. Über viele Jahre entstand ein tragfähiges Konzept, die sog. „Schmetterlingspädagogik“. Was zunächst harmlos klingt, erschüttert Schule in ihren Grundfesten.

Denn Ruppaner hat an seiner Schule den Unterricht abgeschafft und durch freie Lernzeiten einerseits und praxisorientierte Clubs (ähnlich unseren WPK) andererseits ersetzt. Diese beiden Elemente sind wie die Flügel eines Schmetterlings. Es braucht beide Flügel, um zu fliegen.

Um es abzukürzen: Die Schulleitung war begeistert. Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer waren begeistert. Und plötzlich war klar: Wir müssen nicht nur, NEIN, wir WOLLEN etwas ändern. Die ganzen kleinen Maßnahmen in Sachen Schulentwicklung sind längst verpufft. Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, ändert sich nichts.

Mutausbruch

Die FCSO machte sich mit Beginn diesen Schuljahres intensiv auf den Weg der Schulentwicklung. Auf ein kleines Team wartete nun viel Arbeit. Von der ersten Idee bis zu einer außerordentlichen Gesamtkonferenz am 28. Januar 2026 verging nicht einmal ein Jahr – an diesem Tag beschloss die gesamte Schulgemeinschaft eine zweijährige „Pilotphase Schmetterlingspädagogik“.

Seit diesem denkwürdigen Tag ist weiterhin viel passiert. Immer sichtbarer werden die Vorbereitungen. Möbel werden bestellt, Räume vorbereitet und nicht zuletzt bereiten wir auch die Schülerinnen und Schüler des jetzigen 5. Jahrgangs intensiv auf die Schmetterlingspädagogik vor – denn nicht nur wird der gesamte 5. Jahrgang des kommenden Schuljahres teil der Schmetterlingspädagogik sein, sondern auch 5 der insgesamt 8 aktuellen 5. Klassen.

Besuch der Didacta in Koeln
Moebel werden in SBL angeliefert

Natürlich läuft ein so großes Projekt nicht komplett reibungslos. Doch es ist klar, für wen wir das alles machen: In erster Linie für unsere Schülerinnen und Schüler. Wir möchten, dass sie die notwendigen Skills an unserer Schule erlernen können, die sie für ihr späteres Leben brauchen. Wir möchten, dass sie gerüstet sind für die Herausforderungen unserer Zeit. Denn wo es vor einigen Jahrzehnten noch völlig klar war, welche Anforderungen das Berufsleben an junge Erwachsene stellte, so ist heute nur noch klar, dass nichts klar ist…

Auch die Arbeitsbelastung der Lehrerinnen und Lehrer soll sich mittelfristig deutlich reduzieren und die Zufriedenheit steigen – daran wollen wir uns messen lassen.

Und was das nun alles mit Toilettenverschmutzung zu tun hat? Wir wünschen uns, dass sich unser Miteinander an der Schule verändert, weg von ständigen disziplinarischen Maßnahmen. Stattdessen möchten wir unsere Schülerinnen und Schüler befähigen, Verantwortung zu übernehmen und mit gelebter Verantwortung auch ganz viel Freiheit ermöglichen. Das fängt bei der vorbildlichen Toilettennutzung an und hört bei der Möglichkeit, eben doch zu Markant zu gehen, auch wenn man noch nicht in der Oberstufe ist, noch längst nicht auf.

 

Soli Deo Gloria

Wir haben uns auf den Weg gemacht und sind gespannt, wie Gott uns an der FCSO weiter führt. Denn eins ist sicher – ohne Gottes Segen, ohne Weisheit von oben ist dieses Projekt zum Scheitern verurteilt. In diesem Sinne: Danke für jedes Gebet, das für die Zukunft der FCSO nach oben geschickt wird!

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